Radschnellweg Ruhr

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Radschnellweg Ruhr (RS1) - Radschnellweg statt Ruhrschleichweg - Staufrei, schnell, sicher und komfortabel soll der rund 101 km lange Radschnellweg Ruhr die Städte Duisburg, Mülheim an der Ruhr, Essen, Gelsenkirchen, Bochum, Dortmund, Hamm und den Kreis Unna miteinander verbinden. Das Projekt ist machbar, so lautet das Ergebnis der Machbarkeitsstudie, die im September 2014 vom Regionalverband Ruhr (RVR) veröffentlicht wurde.

Inhaltsverzeichnis

Chronologie der Planung und des Baus

  • 07. Dezember 2010: Projektidee der Fahrradbahn B1 durch das Ruhrgebiet, vorgestellt von Winfried Sagolla (im Rahmen der 3. Verkehrsfachtagung Mobilität Ruhr der Wirtschaftsförderung Metropole Ruhr (wmr) "als Baustein einer innovativen regionalen Mobilitätsstrategie")
  • 2011: Beschluss des Lenkungskreises Ruhr 2030, den Radschnellweg Ruhr als Leitprojekt von Ruhr 2030 weiterzuverfolgen
  • Juni 2011: Beschluss der Verbandsversammlung zur Durchführung einer Machbarkeitsstudie
  • Juli 2011: Erster interkommunaler Lenkungskreis
  • August bis Dezember 2011: Erarbeitung der Konzeptstudie
  • Dezember 2011: Letter of Intent aller beteiligten Kommunen, des RVR und des Landes NRW für den Förderantrag an das BMVBS
  • September 2012: Förderzusage
  • Oktober 2012: Beauftragung der Machbarkeitsstudie
  • September 2014: Veröffentlichung der Machbarkeitsstudie
  • 27. November 2015: Offizielle Eröffnung des Abschnitts von Abzweig Grugabahn in Essen bis Mülheim an der Ruhr Hauptbahnhof
  • 13. Juni 2016: 1. Spatenstich zum Bau der Hochpromenade zwischen Hauptbahnhof und Ruhr in Mülheim
  • 25. Oktober 2016: Änderung des Straßen und Wegegesetzes (StrWG) von NRW: Radschnellwege sind ab sofort Landesstraßen gleichgestellt und damit in der Baulast und Trägerschaft des Landes. Ausgenommen sind Ortsdurchfahrten bei Städten mit mehr als 80.000 Einwohnern.
  • 04. Juli 2017: Im Bundesfernstraßengesetz wird festgeschrieben, dass der Bund bis zum Jahr 2030 den Ländern Finanzhilfen für den Bau von Radschnellwegen gewähren kann.
  • 24. Oktober 2017: Offizielle Eröffnung der Hochpromenade in Mülheim

Fragen und Antworten

Allgemein

Welchen Sinn haben die gepflasterten Abschnitte zwischendrin?

Je nach Lage sind die Gründe für die Pflasterung unterschiedlich. An einigen Stellen laufen wichtige Leitungen, deren Zugänglichkeit sichergestellt sein muss. An Zufahrten und Engstellen sollen die gepflasterten Bereiche für erhöhte Aufmerksamkeit der Fußgänger und Radfahrer sorgen; eine Maßnahme, die man übrigens den Autobahnbauern auch mal empfehlen könnte. Aus Sicht des Naturschutzes haben die Pflasterstrecken den Vorteil, sich in der Sonne weniger stark aufzuheizen als Asphalt und somit als Querungshilfe für Insekten und Kleintiere zu dienen.

Welche Funktion haben die Haufen mit Sand, Steinen und alten Bäumen entlang der Trasse?

Diese Maßnahmen wurden auf Wunsch der Stadt Mülheim an verschiedenen Stellen des Abschnittes zwischen Essen und Mülheim an den Seiten ergänzt. Die Stadt Mülheim wollte den Weg ursprünglich nicht asphaltieren, aus dem Grund einigte man sich auf diese sichtbaren kleinen Stellen, die gezielt kleinen Tieren und Insekten entlang der Strecke Unterschlupf bieten sollen. Durch den Aufbau bilden sich mikroklimatische Besonderheiten, z.B. besonders warm, trocken, feucht oder sandig, als Lebensraum für Tiere und Pflanzen.

Wo gibt eine Übersicht über die Zugänge zur Trasse?

Hier:

Sind Mülleimer auf der Strecke des RS1 geplant?

Hinsichtlich der Mülleimer ist der RVR in den letzten Jahren immer mehr dazu übergegangen, diese abzubauen. Dies entspricht den bisherigen Erfahrungswerten, dass Radfahrende im Alltagsradverkehr eigentlich kaum Bedarf hierfür haben und nötigenfalls ihren Müll auch mitnehmen. Die Entwicklung wird vom RVR und Straßen.NRW beobachtet und ggf. nachgesteuert.

Was ist der Unterschied zwischen der "Rheinischen Bahn" und dem "Radschnellweg Ruhr"?

Der am 27.11.2015 eröffnete Teilabschnitt in Mülheim an der Ruhr ist noch nach den Förderrichtlinien des Ökologie-Programm-Emscher-Lippe (ÖPEL) durch das Land NRW sowie mit einer Kofinanzierung durch die EU gefördert worden. Dieses Förderprogramm ist die Grundlage der Radwege-Baumaßnahmen für das regionale Radwegenetz des RVR in den vergangenen Jahren gewesen. Es sieht weder eine Asphaltierung der Fußwege noch eine Ausstattung der Radwege mit Beleuchtung vor. Der RVR konnte diese Punkte daher nicht direkt beim Bau der Trasse berücksichtigen. Das zukünftige Gestaltungs- und Markierungskonzept, wie es in der Machbarkeitsstudie vorgesehen ist, ist in diesem Programm ebenfalls nicht förderfähig.

Gibt es Vorschriften für die Ausführung von Radschnellwegen?

National verbindliche Standards gibt es bislang noch nicht. Das Land NRW definiert jedoch in seinem "Aktionsplan zur Förderung der Nahmobilität" bestimmte Qualitätskriterien, die sich an einem 2014 veröffentlichten Arbeitspapier der Forschungsgesellschaft für Straßen- und Verkehrswesen (FGSV) orientieren. Das sind insbesondere (Quelle: radschnellwege.nrw):

  • Wünschenswerte Mindestlänge von 5 Kilometern,
  • Weitestgehende Bevorrechtigung / planfreie Führung an Knotenpunkten, Priorisierung durch Lichtsignalanlagen (grüne Welle),
  • Trennung zwischen Rad- und Fußverkehr,
  • Steigungsarm,
  • Wegweisung nach den Hinweisen zur wegweisenden Beschilderung für den Radverkehr in NRW,
  • Innerorts Beleuchtung (außerorts wünschenswert),
  • Regelmäßige(r) Reinigung und Winterdienst,
  • Freihalten von Einbauten (Ausnahme Querungshilfen für den Fußverkehr),
  • Service (evtl. Luftstationen, Rastplätze mit Abstellanlagen, punktuelle Überdachung als Regenschutz, etc.).

Warum gibt es auf dem Modellabschnitt Essen/Mülheim immer noch keine regelmäßige Reinigung und keinen Winterdienst?

Inzwischen liegt der dritte Winter seit Eröffnung hinter uns, ohne das das Problem gelöst wäre. Grund sind Streitigkeiten um die Zuständigkeit zwischen RVR und Straßen.NRW, die beide der Ansicht sind, der jeweils andere sei in der Pflicht. Man kann nur hoffen, dass bis zum nächsten Wintereinbruch eine Einigung erzielt wird. Zumindest die Hochpromenade in Mülheim, die eindeutig im Verantwortungsbereich der Stadt liegt, wurde inzwischen in das Straßenreinigungsverzeichnis aufgenommen, so dass auf diesen 500 m die MEG regelmäßig reinigt und im Winter räumt und streut.

Warum geht es insgesamt so schleppend voran; 2020 sollte doch alles fertig sein?

Dass 2020 eine äußerst ambitionierte Zielvorstellung war, war von Anfang an klar. Viele Probleme treten auch erst bei der Detailplanung zu Tage. So müssen beispielsweise zahlreiche Grundstücke zunächst von der Deutschen Bahn oder privaten Eigentümern erworben werben, wobei sich die Verhandlungen gelegentlich schwieriger als erwartet gestalten. Zudem gibt es sowohl bei Straßen.NRW als auch bei den beteiligten Städten nur eine begrenzte Anzahl an Planern, von denen wiederum viele durch andere Projekte wie den Bau von Straßen für den Autoverkehr gebunden sind. An dieser Stelle darf man sich bei der Bundesregierung für den straßenlastigen Bundesverkehrswegeplan 2030 bedanken. Ein weiteres Problem sind die fehlenden Kapazitäten der Baufirmen aus denselben Gründen. Viele Ausschreibungen müssen daher mehrfach erfolgen, da sich im ersten Anlauf oft kein Unternehmen findet, das die Arbeiten im gesteckten Kostenrahmen ausführen will. Auf der anderen Seite täuscht der vermeintliche Stillstand an vielen Stellen aber auch: Solange die Planungen für einen Abschnitt noch auf Hochtouren laufen, sieht man natürlich keine Bagger, weil dieser Löwenanteil der Arbeit eben fast ausschließlich im Büro erfolgt. Der eigentliche Bau ist nachher der deutlich kleinere Teil. Wir versuchen im Folgenden, einen Überblick über die aktuellen Stände zu geben und ein paar weitere häufig gestellte Fragen zu beantworten.


Bochum

Wann geht es in Bochum los?

Im Jahr 2017 wurde eine Ausbauvereinbarung zwischen Stadt Bochum und dem Landesbetrieb Straßen.NRW unterzeichnet. Mit dieser Vereinbarung wird geregelt, dass die Stadt Bochum für den gesamten Abschnitt auf Bochumer Stadtgebiet die gesamte Planung und den Ausbau übernimmt. Dadurch kann der Bau des RS1 aus einer Hand erfolgen, was den Abstimmungsaufwand im Folgenden reduziert. Zugleich erhält die Stadt dadurch einen größeren Gestaltungsspielraum. Mitteilung im RIS

Anfang 2018 wurde durch die Verwaltung mitgeteilt, dass im Laufe des Jahres mit dem Bau des RS1 im Teilabschnitt zwischen Windhausstraße und Bessemerstraße begonnen wird. In diesem Bereich werden auf einer ehemaligen Industriefläche ein Regenrückhaltebecken und eine Grünanlage angelegt. Der RS1 soll zunächst über die Windhausstraße und anschließend durch die Grünanlage führen. Er wird etwa schräg gegenüber der Arnoldstraße an die Bessemerstraße anschließen. Die Bahntrasse von der Stadtgrenze Gelsenkirchen (etwa ab Hüller Straße) bis zur Darpestraße soll im Herbst/Winter 2018/2019 freigeschnitten werden. Eine frühere Rodung scheidet aufgrund der Naturschutzbelange aus. Parallel werden die Planungen für die Abschnitte von der Gahlenschen Straße bis zur Windhausstraße und entlang der Bessemerstraße konkreter in Angriff genommen. Bericht auf VeloCityRuhr.net

Ob die Trasse der Machbarkeitsstudie im weiteren Verlauf von der Bessemerstraße bis nach Dortmund wie vorgesehen genutzt werden kann oder ob eine andere Routenführung notwendig ist, wird aktuell überprüft. (Stand: 02/2018)


Gelsenkirchen

Wann ist Baubeginn in Gelsenkirchen?

Der erste Spatenstich für den 2,8 km langen Abschnitt in Gelsenkirchen soll durch Straßen.NRW noch 2018 erfolgen. Idealerweise kann es gleich nach der Fertigstellung in westlicher Richtung auf Essener Gebiet zunächst bis zur Ernestinenstraße weitergehen.


Essen

Warum ist der Bahntunnel Schönebeck tagsüber beleuchtet und nachts dunkel?

Die Beleuchtungsregelung im Tunnel mit der Beleuchtung tagsüber und mit der Abschaltung in den Abendstunden hat seine Begründung in der Verkehrssicherheit. Nach Angaben der Stadt Essen soll tagsüber der Hell-Dunkel-Kontrast bei der Ein- und Ausfahrt in den Tunnel vermieden werden. Durch die Beleuchtung tagsüber wird die Blendwirkung gemindert. In den Abend- und Nachtstunden ist diese Notwendigkeit nicht gegeben, und die Beleuchtung wird durch eine Zeitschaltuhr abgeschaltet.

Wann wird die Brücke über den Berthold-Beitz-Boulevard gebaut?

Laut Pressemitteilung des RVR sollte mit dem Bau der Brücke über den Berthold-Beitz-Boulevard in Essen Mitte 2016 begonnen werden, um die entstandene Lücke auf der Rheinischen Bahn zu schließen. Mit dem im Dezember 2017 erfolgten Beschluss, die Brücke direkt mit einer Breite von 6 m zu bauen, wurde jedoch eine komplette Neuplanung erforderlich, die derzeit in Arbeit ist. Die Finanzierung ist gesichert: 80 % der erforderlichen 2,9 Mio. Euro trägt das Land NRW, den Rest der RVR. Nach Abschluss der Planungen kann der Bau ausgeschrieben werden. Baubeginn wird voraussichtlich erst in 2019 sein.

Wann wird Abschnitt 1 der Rheinischen Bahn auf Radschnellweg-Standard ausgebaut?

Im Vorfeld des Grüne-Hauptstadt-Jahres hatte die Stadt Essen angekündigt, noch im Jahr 2017 mit dem Umbau der Strecke zwischen Uni Essen und Essen Schönebeck zu beginnen. Wie bei so vielen dieser Versprechen folgten jedoch keinerlei Taten. Für diesen Abschnitt laufen derzeit weder Planungen, noch sind irgendwelche Termine bekannt.

Wie geht es zwischen Essen Uni und Ernestinenstraße weiter?

Das traurigste Kapitel auf den ganzen 101 km. Da sich die GroKo im Essener Rat darauf versteift hat, den südlich des Eltingviertels verlaufenden Bahndamm komplett abzureißen und den Radschnellweg statt auf diesem durch Öffnungen in den erträumten Betonburgen zu führen, herrscht Stillstand. Bei dieser "Lösung" müsste der Investor die komplette Baulast übernehmen und für Unterhalt, Reinigung und Winterdienst des Radschnellwegs auf dem Abschnitt sorgen, was die erwartbare Rendite drastisch senken würde. Entgegen den Behauptungen der Stadt scheint es daher mit dem "großem Interesse" möglicher Investoren auch nicht allzu weit her zu sein. Auf die von der großen Mehrheit der Bürger bevorzugte Variante mit dem RS1 auf einem verschlankten Bahndamm und aufgelockerter Wohnbebauung auf der gewonnenen Fläche will sich die Stadt nicht einlassen, obwohl hierbei Straßen.NRW die Baulast tragen, die Finanzierung komplett gesichert wäre und sogar mehr und hochwertigere Wohnfläche entstehen würde. Stattdessen wird der Deutschen Bahn, die sich angeblich weigert, den Bahndamm zeitnah zu entwidmen, der Schwarze Peter zugeschoben. Straßen.NRW wiederum kann mit den Planungen für die so dringend benötigte Brücke über die Gladbecker Straße nicht beginnen, solange nicht klar ist, dass zum Baubeginn auf der anderen Seite auch ein Anschluss gebaut wird. Somit ist die Blockade ausgerechnet an diesem Herzstück des RS1 auf unabsehbare Zeit vollständig.


Mülheim an der Ruhr

Was ist aus dem Stadtbalkon auf der Promenade geworden?

Bislang hat sich kein Unternehmen gefunden, das innerhalb des von der Stadt Mülheim definierten Kostenrahmens die Arbeiten ausführen will. Vermutlich muss die Ausschreibung noch einmal überarbeitet werden. Unter den Nutzern der Hochpromenade hält sich das Bedauern in Grenzen, auch wenn ein Regenschutz natürlich ganz nett wäre.

Wann wird die sanierte Ruhrbrücke eröffnet?

Die Sanierungsarbeiten an der Ruhrbrücke liegen gut im Zeitplan und sollten in wenigen Wochen abgeschlossen sein. Für die Brücke ist jedoch keine eigene Eröffnung vorgesehen, da sonst nur eine weitere Sackgasse entstehen würde. Stattdessen werden die Bauabschnitte 3b (Ruhrbrücke und Broicher Vorlandbrücken) und 3c (Bahndamm Fährstraße bis Duisburger Straße) zu einer Einheit zusammengefasst. Leider gab es Verzögerungen bei der Ausschreibung der Arbeiten zur Sanierung der Broicher Vorlandbrücken. Die eigentlich für Herbst 2018 geplante Fertigstellung des Gesamtabschnitts wird daher wohl erst im Frühjahr 2019 erfolgen.

Wann geht es weiter bis zur Stadtgrenze Duisburg?

Eigentlich war der Baubeginn für Abschnitt 4 von der Brücke Duisburger Straße bis zur Duisburger Stadtgrenze spätestens zur Eröffnung von Abschnitt 3b/c geplant. Im März wurde jedoch in der Presse berichtet, dass es Verzögerungen gibt, die der Deutschen Bahn angelastet werden. Genaueres ist leider nicht bekannt, nur dass sich der Termin für die Fertigstellung dieses 2,6 km langen Abschnitts bis 2022 verzögern könnte. Noch besteht aber Hoffnung auf einen früheren Durchbruch bei den offenbar problematischen Verhandlungen.

Wird der Abschnitt zwischen Hochschule und Stadtgrenze Duisburg kreuzungsfrei sein?

Leider nein. Immerhin ist inzwischen klar, dass die Brücke über die Duisburger Straße und damit deren kreuzungsfreie Querung erhalten bleibt. Das ist nicht selbstverständlich, da zwischenzeitlich die Stilllegung der Hafenbahn, der Abriss der Brücke und das Hochlegen der Duisburger Straße zur Diskussion standen. Für den RS1 hätte das schlimmstenfalls eine Querung per Bettelampel - neben einer jahrelangen Verzögerung - bedeutet. Es bleiben jedoch die niveaugleichen Übergänge an der Heer- und der Friedhofstraße. An der Heerstraße soll der RS1 Vorrang erhalten, an der Friedhofstraße nach dem Willen der Verwaltung jedoch nicht. Da zumindest Teile der Politik das anders sehen, ist das letzte Wort hierzu noch nicht gesprochen.


Duisburg

Wann erfolgt der Weiterbau in Duisburg?

Die Planungsvereinbarung zwischen Straßen.NRW und der Stadt Duisburg für den 6,1 km langen Abschnitt auf Duisburger Stadtgebiet wurde im September 2017 unterzeichnet. Der Baubeginn ab Stadtgrenze Mülheim ist für das vierte Quartal 2019 angedacht.

Was macht die Planung in Duisburg so langwierig?

Anders als zwischen Bochum-Wattenscheid und der Stadtgrenze Duisburg/Mülheim kann auf Duisburger Gebiet die Trasse der Rheinischen Bahn nicht genutzt werden, da die Strecke weiterhin in Betrieb ist. Nach dem letzten bekannten Planungsstand erfordert die komplexe Streckenführung den Neubau von sechs Brücken und einer Untertunnelung, außerdem den Erwerb zahlreicher Grundstücke, größtenteils von der Deutschen Bahn. An mehreren Stellen ist zudem der Platz äußerst begrenzt, so dass die Mindestbreite von 4 m für Radfahrer und 2 m für Fußgänger nicht realisierbar ist. Ein weiteres ungelöstes Problem ist die Anbindung an den Duisburger Hauptbahnhof, da das Gelände der "Duisburger Freiheit" wohl auf unabsehbare Zeit weiter brach liegen wird. Immerhin stehen die Entscheidungsträger der Stadt Duisburg voll hinter dem zügigen Bau des Radschnellwegs, was man nicht von jeder Stadt sagen kann.


Dortmund

Wie weit sind die Dortmunder?

Anfang März diesen Jahres haben die Stadt Dortmund und Straßen.NRW ihre Planungsvereinbarung für den RS1 unterzeichnet. Darin ist festgelegt, dass die Stadt die Federführung für die Planung auf ihrem Gebiet komplett übernimmt, einschließlich der freien Strecken, die in der Baulast des Landes liegen. Für diese Abschnitte trägt Straßen.NRW die kompletten Kosten, um Ausschreibungen und Betreuung der beauftragten Ingenieurbüros kümmert sich jedoch die Stadt. Damit soll die Abwicklung deutlich beschleunigt werden. Die Entwurfsplanung für den Abschnitt durch das Kreuzviertel vom Südwestfriedhof bis zur Ruhrallee wollte die Stadt bis Ende März 2018 bereits in Eigenregie abgeschlossen und bei der Arnsberger Bezirksregierung Fördermittel für Ausführungsplanung und Bau beantragt haben. Spätestens im Frühjahr 2019 sollen die Bauarbeiten beginnen.


Kreis Unna

Weiterbau von Unna Richtung Hamm?

Nach bisherigem Stand wird das Land hier die Federführung übernehmen und den Ausbau vornehmen. Für die angrenzenden Städte und Gemeinden entfällt dann möglicherweise der Eigenanteil. Der erste Bauabschnitt wird voraussichtlich die Klöcknerbahntrasse zwischen Unna und Bergkamen sein.


Hamm

Wie steht es in Hamm?

Die Stadt Hamm hat mit Straßen.NRW eine ähnliche Vereinbarung wie Dortmund geschlossen. In Hamm verläuft der RS1 größtenteils auf der Mittelinsel zwischen Lippe und Kanal, was als "freie Stecke" in der Baulast des Landes gilt. Vereinfachend lautet die Vereinbarung demnach "Stadt macht, Land zahlt". Ein genauer Termin für den Baubeginn ist noch nicht bekannt, jedoch soll sich der Abschnitt bis 2020 im Bau befinden.


Zubringer und weitere Radschnellwege

Grünzug Zangenstraße

Der Grünzug Zangenstraße wird kein Radschnellweg, sondern soll als kombinierter Rad- und Wanderweg - mit Asphaltdecke - eine durchgehende Grünverbindung von der Rheinischen Bahn über die Bottroper Straße und den Segerothpark bis zum Bahnhof Altenenessen schaffen. Die dafür genutzte Bahntrasse ist bereits entwidmet, und die Arbeiten am ersten Bauabschnitt haben bereits begonnen. Derzeit werden die Widerlager für die Brücke über die Pferdebahnstraße ertüchtigt. Parallel laufen bereits Wegebauarbeiten auf der Trasse entlang des Segerothparks und im Park selber. Ende Juli soll die neue Brücke montiert und im August die Wegeanschlüsse fertiggestellt werden.

Grünzug Bernetal

Die abgeschlossene Entwurfsplanung für den Grünzug Bernetal feiert in diesem Jahr ihren 10. Geburtstag, ohne dass eine Verwirklichung in Sicht wäre. Grund sind angeblich Grunstücksstreitigkeiten zwischen Emschergenossenschaft und RWE. Allerdings scheint die Stadt Essen auch kein sonderliches Interesse an der Verbindung zu haben, würde diese doch den Blick der Öffentlichkeit wieder auf die Konfliktstelle Eltingviertel lenken. Eigentlich hätte der Grünzug Bernetal das Verbindungsstück zwischen dem künftigen Radschnellweg und der Berne-Route werden sollen. Die Brücke über die Gladbecker Straße sollte in Y-Form gebaut werden mit einer zusätzlichen Brücke über die Blumenfeldstraße, die das Dreieck geschlossen hätte. Es wäre alles so schön gewesen...

Radschnellweg Mittleres Ruhrgebiet (RSMR)

Der RSMR soll von Gladbeck über Bottrop nach Essen führen und an der Pferdebahnstraße auf den künftigen RS1 treffen. Die Trassenführung soll zu großen Teilen entlang der Hauptverkehrsachsen verlaufen, was nicht unumstritten ist. Die Kosten werden auf rund 39 Mio. Euro geschätzt. Wann der Baubeginn erfolgen soll, ist noch nicht klar.

Hiberniatrasse Oberhausen

In Oberhausen kam von Seiten der Bürger der Anstoß, eine Anbindung an den RS1 in Mülheim zu schaffen, die ihrerseits schon fast Radschnellweg-Niveau haben soll. Derzeit wird von der Oberhausener Verwaltung geprüft, ob der Hiberniadamm dafür genutzt werden kann. Bei diesem handelt es sich um eine stillgelegte Güterstrecke, die vom Bahnhof Mülheim-Styrum bis wenige Hundert Meter vor Oberhausen Hbf führt. Allerdings müssten bei einem Umbau zu einer Radverbindung mehrere Brücken neu gebaut werden. Sollten die Planungen konkret werden, wird auch die Radtrasse auf der ehemaligen Bahnverbindung zwischen Mülheim-Styrum und Duisburg-Meiderich wieder auf die Agenda kommen, da die ersten paar Hundert Meter dieser beiden Strecken identisch sind und sich der zeitgleiche Ausbau somit anbieten würde.

Anbindung des linken Niederrheins an den Radschnellweg Ruhr

Der RVR entwickelt derzeit ein Konzept für die Zukunft des Radverkehrs im Ruhrgebiet. Dies beinhaltet einen Ausbau des vorhandenen Radwegenetzes auf insgesamt fast 2000 km, von denen über die Hälfte als Radschnell- bzw. Radhauptverbindung ausgebaut werden sollen. Eine der dafür vorgesehenen Strecken ist eine Verlängerung des RS1 über Duisburg hinaus nach Moers und Kamp-Lintfort. Auch wenn vermutlich nicht die komplette Strecke nach Radschnellweg-Standard ausgebaut werden kann, würde damit eine qualitativ hochwertige Verbindung für viele Pendler vom linken Niederrhein geschaffen.


Websites


Meinungen

Anmerkung VeloCityRuhr: Inzwischen haben sich die Dortmunder Politiker längst doch noch für den RS1 ausgesprochen. Die folgenden Stellungnahmen haben daher eher historischen Wert und werden bei Gelegenheit durch aktuelle Statements ergänzt.

Stellungnahme des VCD Dortmund-Unna

Ebenso überrascht wie enttäuscht reagiert der VCD-Kreisverband Dortmund-Unna auf die ablehnende Haltung von SPD und CDU gegenüber dem geplanten Radschnellweg Ruhr. „Wir brauchen eine bessere Radinfrastruktur, gerade auch für den Alltags- und Pendlerverkehr", betont der Kreisverbandsvorsitzende Lorenz Redicker. Der Radschnellweg Ruhr wäre ein klares Zeichen, dass die fahrradfreundliche Stadt Dortmund den Radverkehr auch wirklich will. Mit ihrer Ablehnung sendeten SPD und CDU jedoch genau das entgegengesetzte Signal, kritisiert Redicker. Der VCD hofft jedoch, dass beide Parteien ihre kritische Haltung noch einmal überdenken.

Die Diskussion über den Radschnellweg sieht der VCD dabei erst am Anfang, nicht am Ende. Und dabei müsse selbstverständlich auch intensiv über Kosten und Nutzen sowie über die genaue Streckenführung gesprochen werden. „Beim Ausbau des Radwegenetzes sollten wir nicht dieselben Fehler wie beim Straßenbau machen", betont der VCD. Wichtig sei die Alltagstauglichkeit des Radschnellwegs. Nicht jeder Abschnitt müsse gleich am Anfang kreuzungsfrei verlaufen, nicht überall könne der Schnellweg gleich fünf Meter breit und beleuchtet sein, betont Redicker etwa mit Blick auf Überlegungen, eine zusätzliche Radfahrbrücke an die Schnettkerbrücke anzuhängen. Klar sei aber auch: Glatter Asphalt, Zielwegbeschilderung oder Schneeräumung im Winter sind kein Luxus, sondern müssten Standard werden, wie sie es beim Autoverkehr längst sind, so der VCD. „Und natürlich ergibt ein Radschnellweg nur Sinn, wenn er über eine vernünftige Anbindung an die Zentren verfügt", so Redicker. Der VCD sehe die Schnelltrasse daher als Basis für ein insgesamt besseres Radwegenetz. Und zwar über kommunale Grenzen hinweg. Der Radschnellweg wäre auch eine notwendige Absage an das gerade im Umweltverbund leider übliche Kirchturmsdenken, argumentiert der VCD.

Dass Verkehr vom Auto auf das Rad verlagert werden könne, sei keine Spinnerei, wie manche phantasielose Kritiker behaupteten, betont Redicker. Natürlich fahre niemand täglich von Dortmund nach Duisburg mit dem Rad. Aber die üblichen Pkw-Pendlerwege enden meist spätestens nach 10, 15 Kilometern. Der Radschnellweg könne zum Beispiel die TU Dortmund besser an die Dortmunder wie die Bochumer Innenstadt anbinden und damit tatsächlich sowohl die A40/B1 wie auch die überlastete S-Bahn S1 entlasten. Hinzu komme das Potenzial durch das Elektrorad, das letztlich eine neue Fahrzeuggattung darstelle, weil damit selbst Strecken von 15, 20 Kilometern locker bewältigt werden könnten. „Die Elektromobilität der Zukunft kommt auf zwei Rädern daher ", prophezeit Redicker. Der geplante Radschnellweg trage dem Rechnung.

Eines gibt Redicker SPD und CDU noch mit auf dem Weg: „Hätte es in Dortmund jemals eine so (Kosten-)kritische Haltung gegenüber Straßenprojekten gegeben, wären uns viele Bausünden der vergangenen Jahrzehnte erspart geblieben - und Dortmund wäre vielleicht schon jetzt Fahrradstadt!" Die geschätzten Kosten für den Radschnellweg von insgesamt 100 Millionen Euro, also etwa einer Million Euro pro Kilometer Radweg, entsprächen nur einem Bruchteil der Kosten für neue Straßen. Ein Kilometer Autobahn kostet selbst an unkritischen Abschnitten (keine Brücke, kein Tunnel, keine Gegenwehr der Bürger) mindestens das Sechsfache an reinen Baukosten.

Persönliche Ergänzung zum VCD-Beitrag von Michael Hüttemann

Die Idee für den Radweg entstand bei der „Wirtschaftsförderung Metropole Ruhr" bei einer Tagung 2008 und fand gleich bei der IHK und dem Initiativkreis Ruhr Unterstützung, weil dort erkannt wurde, dass der Radverkehr eine Schlüsselposition des Verkehrs der Zukunft hat und damit ein deutliches Signal zur Umstrukturierung gesetzt werden soll.

Durch Dortmund und das Ruhrgebiet führt kein einziger Fernradweg. Die Hellweg-Route, einer der ältesten Wege überhaupt, gibt es nicht mehr für Radfahrer; Stück für Stück wurden hier die Radfahrer verdrängt. Einen Anschluss an einen der beliebtesten Radwege den Ruhrtalradweg hielten die Dortmunder Politiker für überflüssig - provinzielles Kirchturmdenken! Ein einziges Bett&Bike-Hotel gibt es hier. Fahrradfreundliche Stadt, Kulturhauptstadt Europas? Kein Wunder, dass in Dortmund nur wenige (Studenten) Rad fahren. Gäste können die Metropole Ruhr allenfalls umrunden.

Falls der Radschnellweg nicht kommen sollte, gibt es statt dessen kein Geld für den Ausbau anderer notwendiger Strecken z.B. den Lückenschluss zwischen den Unis Dortmund, Witten und Bochum, die nur einen Katzensprung auseinander liegen; denn die Fördergelder sind zweckgebunden. Ob die Planer die Streckenführung und die Ausstattung des Radwegs bedürfnisgerecht geplant haben, muss diskutiert werden!

Mit dem Radschnellweg werden erst mal jahrelange Versäumnisse nachgeholt. Es stände in Dortmund um den Radverkehr noch viel schlechter, wenn sich hier nicht Menschen ehrenamtlich seit Jahren dafür engagiert hätten.

Ich hoffe auf Nachbesserung.


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